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Räumung des Munitionslager Mitholz: Vergebene Chance oder wichtige Kehrwende?

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Vergebene Chance oder Kehrtwende zum richtigen Weg?

Ehemaliges Munitionslager Mitholz
Am Dienstag gab die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats (SIK-N) bekannt, die Arbeiten zur vollständigen Räumung des ehemaligen Munitionslagers Mitholz nun doch rasch fortsetzen zu wollen. Dieser Entscheid kommt unterschiedlich gut an.
Publiziert am Mi 29. März 2023 17:59 Uhr

Was die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats (SIK-N) am Dienstag beschlossen hat, gleicht einer Kehrtwende: Nun sollen die Arbeiten zur vollständigen Räumung des ehemaligen Munitionslagers Mitholz doch rasch fortgesetzt werden.

Noch Ende Februar wollte die SIK-N die Räumung verschieben, um nochmals andere Varianten vertieft zu prüfen. Dieser Entscheid sorgte auch bei der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete (SAB) für Unmut: Die Organisation forderte die unverzügliche Fortsetzung der Arbeiten. Nun erhalten die Berggebiete also ihren Willen. Doch wie kommt der Entscheid bei der Bevölkerung von Mitholz an?

Trachsel-Schwestern enttäuscht

Die in Mitholz aufgewachsenen Schwestern Cécile und Annie Trachsel sind enttäuscht. Sie hätten sich eine vertiefte Prüfung der Variante «Verkapselung» gewünscht. Das Konzept dieser Variante sieht vor, sämtliche Hohlräume in der Anlage zu einem massiven Festkörper zu verfüllen. Soll heissen: Die Munitionsrückstände hätten wahrscheinlich nicht aus der Anlage geräumt werden müssen.

«Vor fünf Wochen erhielt das VBS den klaren Auftrag, diese Variante durch ein unabhängiges Unternehmen zu prüfen. Anstatt daran zu arbeiten, wurden einfach irgendwelche Informationen nochmals zusammengetragen», sagt Cécile Trachsel. Mit dem Entscheid der SIK-N habe man eine Chance vergeben, das Thema nochmals von einer anderen Seite zu betrachten.

Die Variante der «Verkapselung» wurde bereits 2021 verworfen: Gemäss eines unabhängigen Gutachtens der ETH ist das Konzept keine Alternative zur Räumung: Die Munitionsrückstände könnten so nicht sicher eingeschlossen werden, schrieb das VBS in einer Mitteilung. Auch der Durchfluss von Wasser könne nicht ausgeschlossen werden.

Wandfluh ist «gottenfroh»

Ganz anders sieht es Roman Lanz, der parteilose Gemeindepräsident von Kandergrund. Die Ansichten der Schwestern Trachsel seien zwar legitim. Aber: «Es ist nicht korrekt, dass sie mit der Bevölkerung oder mit der Gemeinde spielen.» Die Sicht der Gemeinde spiegelt eine Haltung wider, die durch die Mehrheit der Bevölkerung entstanden sei. «Wir wollen diese Räumung und wollen, dass dieses Dorf weiterlebt. Momentan ist es in Etappen am Sterben», betont Lanz. So könne man den eingeschlagenen Weg weiter verfolgen. Denn: «Wir müssen den Weitblick haben, dass das Dorf irgendwann wieder besiedelt werden kann. Das können wir nur, wenn die vollständige Räumung gemacht wird.»

«Gottenfroh» über den Entscheid der SIK-N ist auch SVP-Grossrat Erich Wandfluh. «Für das Kandertal ist es wichtig, dass die Räumung des Munitionslagers so schnell wie möglich in Angriff genommen werden kann», sagt der Politiker. Wandfluh ist Mitglied der politischen Begleitgruppe Mitholz. Es sei jedoch wichtig, dass die Räumung des ehemaligen Munitionslagers nicht in Konflikt mit anderen Grossprojekten wie am Lötschberg-Basistunnel gerate.

«Mir kommt Mitholz wie ein Geschwür vor»

SP-Grossrätin Ursula Zybach stützt den Entscheid der SIK-N ebenfalls. «Ich bin froh, ist der Entscheid nun so schnell gekommen. Jetzt weiss man: Ok, nun wird geräumt.» Dass der Nationalrat den Entscheid nochmals umstösst, glaubt die Politikerin nicht. «Die Kommission hat einen ganz wichtigen Einfluss.» Selbst wenn dies geschehen würde, könne man von der Berner Seite nochmals Druck ausüben. Denn: «Mir kommt Mitholz wie ein Geschwür vor. Je länger man mit der Räumung wartet, desto weniger weiss man, wie gross die Operation tatsächlich wird.» Der Politikerin sei aber bewusst, dass Mitholzerinnen und Mitholzer viele Erinnerungen zurücklassen müssen.

Auch Cécile Trachsel glaubt nicht an eine weitere Kehrtwende im Nationalrat. «Das VBS steht sehr stark dahinter. Sie bobbyieren quasi dafür. Sie wollen die Räumung stur durchziehen.» Direkt betroffen werden sie und ihre Schwester Annie nicht sein, da sie nicht mehr in Mitholz wohnen. Aber: «Es ist meine Heimat, dort bin ich grösstenteils aufgewachsen», betont Cécile Trachsel. Ihre Grosseltern würden im Dorf im Haus ihrer Mutter wohnen. «Es ist eine Familienangelegenheit.

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